Von der Bank falsch beraten? (1)

Anlegerin will Erwerb einer Fondsbeteiligung rückgängig machen

onlineurteile.de - Die Bankkundin hatte bei ihrem Kreditinstitut schon mehrmals Geld angelegt, in Aktienfonds, Immobilienfonds etc. Bei einem Beratungsgespräch 2009 empfahl ihr der Bankberater die Beteiligung an einem Fonds, der in der Bio-Energiebranche investiert. Die Anlegerin erwarb eine Kommanditanlage von 12.000 Euro. Das Beratungsgespräch wurde per Protokoll dokumentiert.

Nach einigen Monaten verklagte die Frau die Bank und wollte wegen sinkender Rendite die Fondsbeteiligung rückgängig machen. Nun behauptete sie, der Berater habe die Risiken im Beratungsgespräch heruntergespielt und ihr keinen vollständigen Verkaufsprospekt zum Immobilienfonds gegeben. Dabei habe für sie die Sicherheit der Anlage oberste Priorität gehabt.

Diese Darstellung wurde von der Bank bestritten: Die Kundin sei auf das Risiko des Totalverlusts und auch auf die - infolge politischer Entscheidungen - sinkende Einspeisevergütung in der Bio-Energiebranche hingewiesen worden, welche die Fonds-Erträge schmälerte. Es sei ihr in erster Linie darauf angekommen, ihr Kapital zu streuen.

Das Landgericht Coburg kam zu dem Schluss, die Anlegerin sei nicht so unbedarft und sicherheitsorientiert, wie sie sich vor Gericht dargestellt habe: Es wies ihre Klage ab (11 O 690/09). Die Frau habe schon vielfach Geld angelegt, und zwar in Fonds der unterschiedlichsten Risikoklassen. Im Beratungsprotokoll werde ihre "Anlegermentalität" als "ertragsorientiert" eingestuft. Dass die Bankkundin eine "äußerst sichere Anlage" gesucht habe, komme dagegen nicht vor.

Laut Beratungsprotokoll, das sie unterschrieb, habe sie den kompletten Fonds-Prospekt erhalten, in dem auch die Möglichkeit des Totalverlusts erläutert werde. Sowohl im Prospekt als auch im Beratungsgespräch sei auf die Unsicherheit bei den Einspeiseerlösen in der Bio-Energiebranche hingewiesen worden. Von fehlerhafter Beratung durch die Bank könne daher im konkreten Fall keine Rede sein: Die Kundin sei nicht berechtigt, den Erwerb der Fondsanteile rückgängig zu machen.