Vorsicht, versteckte Kamera!

Video-Überwachung von Mitarbeitern bei konkretem Verdacht erlaubt

onlineurteile.de - Es war so einfach, im Getränkemarkt ab und zu etwas Geld mitgehen zu lassen. Wie sollte man ihr schon etwas nachweisen können, dachte die Angestellte, schließlich befand sie sich oft genug allein an der Kasse. Erst nach Jahren bekam sie die Quittung für ihre Unterschlagungen: per fristloser Kündigung. Ihrem Arbeitgeber war schon mehrfach bei Inventuren aufgefallen, dass die Kasse nicht stimmte. Er verdächtigte auch die Richtige, aber einen Beweis hatte er nicht.

Also installierte er versteckte Videokameras, um die Frau in flagranti zu erwischen. Das gelang auch. Die Mitarbeiterin bestritt trotz der Videovorführung, Geld genommen zu haben; dennoch wurde ihr mit Zustimmung des Betriebsrats fristlos gekündigt. Dagegen zog die Angestellte vor Gericht: Erstens habe sie das Geld nicht genommen, behauptete sie, und zweitens zählten solche Videos nicht als Beweis.

Das Bundesarbeitsgericht (BAG) bewertete die Sache anders und erklärte die Kündigung für rechtens (2 AZR 51/02). Eine heimliche Video-Überwachung sei ein erheblicher Eingriff in Privatsphäre und Persönlichkeitsrecht des Betroffenen, räumte das BAG ein. Als Beweis im Kündigungsschutzprozess könnten die Aufnahmen deshalb nur zugelassen werden, wenn besondere Umstände eine Überwachung rechtfertigten. Das treffe hier jedoch zu.

Denn der Verdacht, dass die Angestellte regelmäßig Geld mitgehen ließ, sei bereits sehr konkret gewesen, als man die Kameras installierte. Ohne Video-Überwachung hätte der Arbeitgeber kaum einen Beweis finden können. Zwar hätte er den Betriebsrat schon vor den Aufnahmen einbeziehen müssen. Da dieser aber nachträglich der Kündigung und damit auch der Überwachung zugestimmt habe, sei gegen die Videos als Beweismittel nichts einzuwenden.