Wankelmütige 17-Jährige lässt sich tätowieren ...

… und verlangt nach einer Woche vom Tätowierstudio, das Tattoo zu entfernen

onlineurteile.de - Eine 17-jährige Münchnerin ließ sich im Tätowierstudio auf die Innenseite eines Handgelenks ein koptisches Kreuz tätowieren. Das kostete 50 Euro. Ihren Eltern hatte sie nichts davon erzählt. Ob nun die Eltern protestierten oder ob der jungen Frau das Kreuz einfach nicht (mehr) gefiel: Jedenfalls erschien sie nach etwa einer Woche wieder im Tätowierstudio und behauptete, das Tattoo sei schief. Der Tätowierer sollte es mit einem Laser entfernen.

Darauf ließ sich der Studioinhaber jedoch nicht ein: Das Tattoo sei völlig in Ordnung gewesen. Ihr Handgelenk sehe so aus, als habe die Kundin selbst schon versucht, das Tattoo zu beseitigen: Das Kreuz sei ausgewaschen und mit einer Kruste überzogen. Der Tätowierer bot der Kundin an, das Tattoo nachzubessern. Das wollte sie aber nicht.

Nach ihrem 18. Geburtstag verklagte die junge Frau den Studioinhaber auf Rückzahlung von 50 Euro und Kostenübernahme für eine Laserbehandlung von 799 Euro. Das Amtsgericht München wies ihre Klage ab (213 C 917/11). Da sie neben der Schule in einer Eisdiele jobbe, habe sie die 50 Euro aus eigener Tasche zahlen können. Also sei der Werkvertrag mit dem Studio wirksam, erklärte der Amtsrichter, auch wenn die Kundin bei dessen Abschluss noch minderjährig gewesen sei.

Wenn ein Kunde/eine Kundin bei einem Werkvertrag mit dem Resultat der Arbeit unzufrieden sei, könne er/sie nicht sofort den Preis mindern oder Schadenersatz verlangen. Vorher müsse er/sie dem Auftragnehmer die Möglichkeit einräumen, die Arbeit zu verbessern. Das gelte sogar beim Tätowieren, obwohl eine Nachbesserung hier bedeute, dass der Auftragnehmer erneut in die Haut des Kunden stechen müsse.

Das Tattoo habe ursprünglich dem Wunsch der 17-Jährigen entsprochen, auch wenn sie das im Nachhinein bestreite. Daher stehe ihr kein Schadenersatz oder Schmerzensgeld zu. Sie habe dem Eingriff in den Körper zugestimmt. Und trotz ihres Alters habe es der jungen Frau auch nicht an Urteilsfähigkeit gefehlt. Einer Schülerin, die fast volljährig sei und schon einen kleinen Job ausfülle, könne man die nötige Einsicht zutrauen.