Was beweist ein Bierdeckel?

Wirtin und Stammkundin streiten um unbezahlte Getränke

onlineurteile.de - Es klingt irgendwie nach Königlich Bayerischem Amtsgericht, hat sich aber im Februar 2011 zugetragen: Eine Wirtin verklagte eine (ehemalige) Stammkundin, weil sie ihr Geld schuldete. Eben weil sie Stammkundin gewesen sei, habe sie nicht immer gleich Bares auf den Tresen legen müssen. Stattdessen habe man ihre Getränke auf Bierdeckeln "notiert". Mittlerweile stünden 136 Euro aus.

Nie im Leben habe sie so viel Geld vertrunken, beteuerte die Kneipenkundin. "Allerhöchstens" 96 Euro könnten aufgelaufen sein, die werde sie zahlen. Bierdeckel seien kein "gescheites" Beweismittel. Man könne sie leicht fälschen, schließlich seien da nur Striche drauf und keine Zahlenbeträge.

Das ließ die Wirtin natürlich nicht auf sich sitzen: Ein Strich sei genauso gut wie ein Betrag, widersprach sie. Dass ein Strich einem Bier zum Preis von 2,20 Euro entspreche, wisse die Kundin sehr gut. Selbstverständlich fälsche sie in ihrer Kneipe keine Bierdeckel.

Aber sehr aussagekräftig seien sie letztlich nicht, gab die Richterin am Amtsgericht München zu bedenken. Sie vernahm mehrere Zeugen, die mit der Stammkundin schon mal "einen gehoben" hatten, zu ihrem durchschnittlichen Bierkonsum. Anschließend gelang es der Richterin, die Parteien zu einem Kompromiss zu bewegen. Die Stammkundin zahlte 112 Euro.