Was ist eine Überschwemmung?

Auto wird in Sizilien von Gesteinsbrocken getroffen

onlineurteile.de - Kein schönes Urlaubserlebnis: Im August 2002 hatte es in Sizilien mehrere Tage lang in Strömen geregnet. Eine Urlauberin fuhr mit ihrem Auto eine Bergstraße entlang. Über den steilen Berghang flossen erhebliche Wassermengen in Sturzbächen nach unten und rissen einiges Geröll mit sich. Die Autofahrerin merkte, dass ein ziemlich großer Brocken herunter rollte und auf die Straße stürzen würde. Sie bremste und riss das Lenkrad nach rechts, um dem Stein auszuweichen. Deshalb stieß der Wagen gegen die Begrenzungsmauer der Straße am rechten Fahrbahnrand. Der Stein traf trotz des Manövers die linke vordere Felge.

Von ihrer Teilkaskoversicherung verlangte die Frau Ersatz für den Schaden am Auto. Nur für Schäden durch Überschwemmung bestehe Versicherungsschutz, teilte das Unternehmen mit. Ein starker Regen sei aber keine Überschwemmung. Den Prozess gegen den Versicherer verlor die Frau. Die Berufung ging für sie negativ aus, weil ihre Anwältin eine Frist versäumte. Im Rahmen des Schadenersatzprozesses gegen die Anwältin entschied der Bundesgerichtshof, dass die Autofahrerin Anspruch auf Versicherungsleistungen gehabt hätte (IV ZR 154/05).

Eine Überschwemmung im Sinne der Versicherungsbedingungen liege nicht nur dann vor, wenn Gelände überflutet werde: Gehe auf einem Berghang so starker Regen nieder, dass das Wasser - weder versickere, noch über Rinnen oder Furchen abfließe, sondern - in Sturzbächen den Hang hinab stürze, sei dies ebenfalls als Überschwemmung einzustufen. In der Teilkasko seien auch Schäden versichert, die entstünden, wenn Naturgewalten Gegenstände auf oder gegen das Fahrzeug schleuderten.

Schäden, die erst durch die Reaktion des Fahrers entstünden, übernehme jedoch nur die Vollkaskoversicherung. Deshalb müsse sich nun die Vorinstanz noch mit der schwierigen Abgrenzung befassen, welcher Teil des Schadens auf den (teilkaskoversicherten) Steinsturz zurückzuführen sei und welcher Teil auf das (in der Teilkasko nicht versicherte) Ausweichmanöver der Autofahrerin.