Was ist "persönliche Habe"?

Erblasser löst durch unklare Formulierung im Testament Streit aus

onlineurteile.de - Seine Ehefrau beschrieb der Verstorbene im Testament mit sarkastischem Unterton als eine Art Hausdrachen. Mit seinem Sohn war er wohl auch nicht gut ausgekommen: Der habe sich nie für ihn interessiert, fügte er hinzu. Deshalb setze er seine Tochter als Alleinerbin ein. Die Grundstücke vermachte der Familienvater teils Frau und Tochter, teils anderen Verwandten. Dann folgten die Sätze: "Das Mobiliar erhält meine Ehefrau. Die übrige persönliche Habe erbt meine Tochter und ihr Ehemann".

Das Paar hatte sich allerdings schon einige Jahre vor dem Tod des Vaters getrennt. Als es nun um die Aufteilung des Vermögens ging - Bankguthaben, Wertpapiere, Sparkassenbriefe im Wert von über 200.000 Euro -, pochte der ehemalige Schwiegersohn auf das Testament: Ihm stehe die Hälfte des Vermögens zu, denn der Verstorbene habe "Tochter und Ehemann" gleichberechtigt bedacht. Die Tochter sah das verständlicherweise anders, schließlich klagte ihr Ex-Mann seine Ansprüche ein. Das Landgericht München I musste deshalb klären, was der Erblasser wohl mit "übriger persönlicher Habe" gemeint haben könnte (23 O 13892/03).

Nach allgemeinem Sprachgebrauch seien darunter Gegenstände des persönlichen Gebrauchs zu verstehen, zu denen der Eigentümer eine persönliche Beziehung habe (z.B. Kleidung, Schmuck und Bücher). Vermögen gehöre nicht dazu: Geld sei immer ein "unpersönlicher Gegenstand". Für diese Interpretation spreche auch die Systematik des Testaments: Denn der Erblasser habe sich darin zuerst mit den Grundstücken befasst, dann mit dem Mobiliar und zuletzt mit der "persönlichen Habe". Damit könnten also keine größeren Vermögenswerte gemeint sein. Der ehemalige Schwiegersohn des Erblassers sah also kein Geld: Er legte gegen das Urteil Berufung ein.