Wegen Spielsucht in die Entziehungsanstalt?

Unverbesserlicher Betrüger bringt ältere Frauen um Erspartes

onlineurteile.de - Zwischen 1980 und 2003 verbrachte der Mann fast 21 Jahre im Knast. Kaum war er draußen, verschaffte er sich mit Schwindeleien Bares, meist bei hochbetagten Frauen. Als er wieder einmal wegen Betrugs vor Gericht stand, behauptete er, spielsüchtig zu sein: Schon als Heranwachsender habe er sich dem Glücksspiel zugewandt. Sein ganzes Leben drehe sich nur noch darum, finanzielle Mittel fürs Spielen zu ergattern, er könne nicht mehr anders.

Die (von Psychiatern beratenen) Richter eines Landgerichts glaubten ihm, billigten ihm "mildernde Umstände" zu und verurteilten ihn deshalb nur zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren. Außerdem sollte er die Spielsucht in einer Entziehungsanstalt behandeln lassen. Auf Revision der Staatsanwaltschaft hob der Bundesgerichtshof das Urteil auf (5 StR 411/04). Nur Alkoholiker und Drogensüchtige gehörten in eine Entziehungsanstalt, nicht aber Spielsüchtige, erklärten die Bundesrichter.

Sie bemängelten außerdem, dass die Behauptungen des Angeklagten nicht kritisch genug geprüft wurden - trotz seiner besonderen "Begabung", Menschen zu täuschen. Eine krankhafte seelische Störung, die zielgerichtetes Handeln ausschließe, passe überhaupt nicht zum stets planvollen Vorgehen des Angeklagten. Es sei doch ungewöhnlich, dass er trotz langer Jahre hinter Gittern spielsüchtig sei - dabei könne man im Gefängnis gar nicht spielen. Jedenfalls stelle "Spielsucht" keinen Umstand dar, der die Schuldfähigkeit eines Angeklagten einschränke. Deshalb könne das milde Strafmaß keinen Bestand haben. Nun muss sich das Landgericht noch einmal mit dem Fall befassen.