Wegen Zigarettenmuffs im Pulli gefeuert

Arbeitsgericht erklärt die Kündigung einer Arbeitnehmerin in der Probezeit für unwirksam

onlineurteile.de - Frau H hatte sich bei der Firma X als Bürokraft beworben. Zuerst ließ man sie einen halben Tag auf Probe arbeiten. Einige Tage später unterhielt sich der Chef mit ihr und fragte die Frau, ob sie rauche. Die Bewerberin beantwortete die Frage mit "Ja", erklärte aber ausdrücklich, mit dem Rauchverbot im Betrieb sei sie einverstanden.

Frau H wurde zur Probe eingestellt. Doch schon am ersten Arbeitstag — nachdem die Frau gerade mal zwei Stunden tätig war — kündigte ihr die Firma X. Begründung des Arbeitgebers: Bevor sie ihre Arbeit aufnahm, habe die Bürokraft vor der Tür eine Zigarette geraucht. Kolleginnen und Kunden hätten sich darüber beschwert, dass ihre Kleidung starken Rauchgeruch verströme.

Gegen die Kündigung setzte sich die Arbeitnehmerin zur Wehr und bekam vom Arbeitsgericht Saarlouis Recht (1 Ca 375/12). Auch in der Probezeit — in der die Vorschriften des Kündigungsschutzgesetzes noch nicht gelten — müssten Arbeitgeber das Recht der Arbeitnehmer berücksichtigen, in privaten Belangen frei zu handeln.

Wegen so einer Bagatelle das gerade begründete Arbeitsverhältnis sofort aufzulösen, sei treuwidrig und lasse den ernsthaften Willen zur Zusammenarbeit vermissen. Jeder Mensch könne frei entscheiden, ob er rauche oder nicht.

Wenn es Differenzen in einem Punkt gebe, der die persönlichen Grundrechte der Arbeitnehmer berühre, müsse der Arbeitgeber erst das Gespräch mit dem/der Betroffenen suchen und ihm/ihr die Gelegenheit geben, darauf zu reagieren. Deshalb gleich zu kündigen, sei unangemessen — zumal Frau H das Rauchverbot im Betrieb respektiert habe. Die Kündigung sei unwirksam.