Weihnachtsurlaub fiel wegen Diabetes aus

Erkrankt ein Reiseteilnehmer, muss die gebuchte Reise sofort storniert werden

onlineurteile.de - Eine Münchnerin buchte für sich und ihren 13-jährigen Sohn für die Weihnachtsferien 2006 eine Auslandsreise. Am 13. November wurde bei dem Jungen Diabetes festgestellt, die stationär in einer Klinik behandelt werden musste. Erst Mitte Dezember stornierte die Mutter den Weihnachtsurlaub, weil ihr der Arzt dringend nahelegte, mit dem Sohn nicht zu verreisen.

Die Stornokosten betrugen 1.722 Euro. Von dieser Summe übernahm die Reiserücktrittskostenversicherung nur 492 Euro. Begründung: Die Kundin hätte die Reise schon am 13. November stornieren müssen; dann wären nur 20 Prozent des Reisepreises als Stornogebühr angefallen, also 492 Euro. Das sah die Münchnerin überhaupt nicht ein, sie klagte auf Zahlung des Differenzbetrags: Schließlich habe ihr der behandelnde Arzt im November gesagt, der Weihnachtsurlaub sei nicht gefährdet.

So eindeutig habe er sich gewiss nicht ausgedrückt, erklärte der Mediziner vor dem Amtsgericht München (281 C 8045/07). Denn wenn man Patienten auf eine Diabetes einstelle, gebe es häufig Komplikationen. Dass das länger dauere, sei kein Ausnahmefall. Diese Aussage genügte dem Amtsrichter, um die Klage der Mutter abzuweisen.

Der Versicherungsschutz einer Reiserücktrittskostenversicherung umfasse nicht die bloße Hoffnung darauf, rechtzeitig wieder gesund zu werden, stellte der Amtsrichter fest. Reisende dürften mit dem Stornieren nur zuwarten, wenn die Genesung bis zum Beginn der Reise sicher feststehe. Das treffe bei Diabetes gerade nicht zu: Ob und wann es den Ärzten gelinge, den Patienten erfolgreich medikamentös auf diese Krankheit einzustellen, sei nicht kalkulierbar. Dieses Risiko dürfe man nicht auf die Gemeinschaft der Versicherten abwälzen, die Versicherungsnehmerin müsse es schon selbst tragen. Daher hätte sie die Reise sofort stornieren müssen, als sie von der Krankheit erfuhr.