Wenn der Arzt für einen Fehler nicht geradestehen will

Auf Hinhaltetaktik kann erhöhtes Schmerzensgeld folgen

onlineurteile.de - Nach einem Arbeitsunfall 1997 litt der (damals 44 Jahre alte) Monteur unter dauernden Schmerzen. Schließlich ließ er sich in der neurochirurgischen Abteilung einer Klinik vom Arzt dazu überreden, eine Morphinpumpe in der Nähe des Rückenmarks implantieren zu lassen. Das Schlimmste, was passieren könne, so der Neurochirurg, sei ein Bluterguss in der Nähe von Nervengewebe. Dass auch eine zumindest partielle Querschnittslähmung zu den Risiken des Eingriffs gehörte, darüber schwieg sich der Mediziner aus.

Nach dem Eingriff ging es dem Patienten viel schlechter als zuvor: Zu den Schmerzen kamen Harninkontinenz, Impotenz und Gangstörungen. Zwei Jahre nach der Operation entschied ein Gericht, dass der Arzt für alle Folgen des Eingriffs einstehen müsse: Wegen mangelhafter Aufklärung über die Risiken sei die Zustimmung des Patienten zur Operation unwirksam, der Eingriff damit rechtswidrig gewesen. Trotzdem zeigte der Mediziner keinerlei Bereitschaft, wenigstens finanziell etwas gut zu machen.

Das Oberlandesgericht Naumburg erklärte schließlich ein Schmerzensgeld von 50.000 Euro für angemessen (1 U 46/07). Dabei berücksichtigte das Gericht außer den gesundheitlichen Folgen der Operation auch das Verhalten des Arztes bei der Schadensregulierung.

Der Chirurg habe die Ergebnisse des Sachverständigengutachtens ignoriert. Sechseinhalb Jahre nach der Operation und viereinhalb Jahre nach dem ersten Urteil habe er dem kranken Familienvater noch immer keinen Schadenersatz gezahlt. Permanent habe er versucht, den Mann hinzuhalten - in der vagen Hoffnung, die Klage könnte vielleicht in der nächsten Instanz doch noch scheitern. Deshalb stehe dem gepeinigten Patienten nun ein erhöhtes Schmerzensgeld zu.