Wer bei der Arbeit ständig daneben liegt ...

... kann wegen überdurchschnittlich hoher Fehlerquote gekündigt werden

onlineurteile.de - Bei den vielen Päckchen, die in einem Versandkaufhaus verschickt werden, kann schon mal ein Fehler passieren. Einer Lager- und Versandarbeiterin passierten aber zu viele Patzer: Immer wieder vergaß sie einzelne Teile oder sie verwechselte Kunden, schickte Artikel an eine falsche Adresse etc. Dafür war sie schon mehrfach vom Chef kritisiert und zwei Mal abgemahnt worden. Bis dann endgültig die Kündigung kam.

Ihre Fehlerquote liege dreimal so hoch wie die anderer Arbeiter und das die ganze Zeit über, so begründete der Arbeitgeber den blauen Brief. Kein Grund zur Kündigung, meinte die Arbeitnehmerin: Sie packe und verschicke täglich so viele Päckchen, da fielen die paar Fehlgriffe gar nicht ins Gewicht. Das sah die Betriebsleitung naturgemäß anders: In dieser Menge sorgten Fehllieferungen für einen Imageverlust bei den Kunden. Darüber hinaus koste es einiges, die Fehler auszubügeln.

Die Kündigungsschutzklage der Arbeitnehmerin scheiterte beim Bundesarbeitsgericht (2 AZR 536/06). Eine dauerhaft überdurchschnittlich hohe Fehlerquote könne eine Kündigung rechtfertigen, urteilten die Bundesrichter.

Eine schwache Leistung allein genüge zwar nicht für eine Kündigung. Denn der Arbeitnehmer sei vertraglich nur verpflichtet, seine persönliche Leistungsfähigkeit angemessen auszuschöpfen. Wenn die Zahl der Fehler aber die der anderen Arbeitnehmer kontinuierlich um ein Vielfaches übersteige, könne dies doch ein Anhaltspunkt dafür sein, dass der Arbeitnehmer in schuldhafter Weise seine Arbeitspflichten verletze.