Wertvolle Uralt-Fritten

Kunstgalerie muss Künstler für verschollene Pommes Frites entschädigen

onlineurteile.de - 1990 hatte der Künstler Stefan Bohnenberger zwei Pommes Frites als Vorlage benützt, um ein kreuzförmiges Kunstwerk aus Gold herzustellen. Titel: "Pommes d’Or". Die goldenen Pommes wurden von einer Kunstgalerie ausgestellt. Als der Künstler 2005 nach etlichen Differenzen mit den Galeristen seine Werke aus der Galerie zurückzog, verlangte er zuerst nur die Gold-Fritten, später auch die richtigen Kartoffelstäbchen zurück.

Nach einigem juristischen Hickhack rückten die Galeristen die "Pommes d’Or" heraus (gegen die Summe von 1.000 Euro, die sie dem Künstler seinerzeit für die Herstellungskosten bezahlt hatten). Doch die 22 Jahre alten Kartoffelstäbchen waren nicht mehr aufzufinden. Nun forderte der Künstler Schadenersatz. Die Fritten gehörten doch nicht zum Kunstwerk, argumentierte die Galeristin, man habe sie nicht aufbewahren müssen.

Das Landgericht München mühte sich redlich mit der Frage ab, ob Pommes Frites Kunst darstellen können. Es beantwortete die Frage mit "Nein" und verneinte daher auch einen Anspruch des Künstlers auf Schadenersatz. Mit dem Begriff der Kunst schlug sich das Oberlandesgericht (OLG) München gar nicht erst herum (23 U 2198/11). Ganz trocken argumentierte es stattdessen mit dem "wirtschaftlichen Wert" der Uralt-Fritten.

Zum Pech für die Galeristin fand sich eine Kunstsammlerin, die als Zeugin im Prozess aussagte, sie hätte die Fritten für 2.500 Euro kaufen wollen. Das genügte dem OLG als Beleg dafür, dass dem Künstler Einnahmen entgangen waren. Verschollene Kartoffelstäbchen könne man nicht verkaufen. Die Galerie habe sie nicht sorgfältig genug aufbewahrt und so einen Wertverlust verschuldet. Den müsse sie ausgleichen und dem Künstler 2.000 Euro Schadenersatz zahlen.