Wettbüro in der Wohnanlage

Kann die Eigentümergemeinschaft den Wettbetrieb stoppen?

onlineurteile.de - Vor mehreren Jahrzehnten war das Haus in Wohneigentums-Einheiten aufgeteilt worden. Geschäftsräume im Erdgeschoss könnten als Laden genutzt werden, legten die Eigentümer in der Teilungserklärung fest. So blieb es bis 2011: Dann vermietete der Eigentümer der Geschäftsräume seine Eigentumseinheit an den Betreiber eines Wettbüros. Damit handelte er sich großen Ärger ein: Die Miteigentümer lehnten diese Art Betrieb ab.

Vergeblich pochte der Eigentümer darauf, ein Wettbüro störe doch nicht mehr als ein Ladengeschäft. Das kam bei seinen Kontrahenten nicht gut an. Sie wandten ein, dass sich die Wettgemeinde täglich auf dem Gehsteig vor dem Büro sammle. Da rauchten die Wetter und plauderten lautstark über Sportereignisse und Wetten. Drinnen liefen auf großen Flachbildschirme Sportveranstaltungen wie Pferderennen. Der Betrieb dauere oft bis 23 Uhr, an Wochenenden auch länger. Das Wettbüro sei gut besucht und die Umgebung daher ständig zugeparkt.

Mit einem Laden sei dieser Betrieb nicht zu vergleichen, so die Eigentümergemeinschaft, der Vermieter müsse dem Betreiber des Wettbüros kündigen. Die Forderung sei berechtigt, urteilte das Amtsgericht München (482 C 24227/11 WEG).

Schon wegen der permanenten Lärmbelästigung störe der Betrieb eines Wettbüros die Hausbewohner wesentlich mehr als ein Ladengeschäft. Dort kauften Kunden ein und gingen wieder. Dagegen hielten sich die Besucher des Wettbüros dort lange auf und pflegten Kontakte. Sie schauten Pferderennen, Fußballspiele etc. an, kommentierten die Wetten.

Obendrein liege die Wohnanlage in einem Wohngebiet, mit Schule, Kindergarten, Kirche und Geschäften in unmittelbarer Umgebung. Da passe ein stark frequentiertes Wettbüro nicht hinein, es könne das Sicherheitsgefühl der Anwohner beeinträchtigen. Bei einem Wettbüro müsse man damit rechnen, dass auch suchtkranke Spieler zum Kundenkreis gehörten. Kinder und Jugendliche sollten mit so einer Kundschaft möglichst nicht in Kontakt kommen.