Wie kam der Dieb "rein"?

Hausratversicherung: Eine Wohnungstüre leicht aufzudrücken, ist kein "Einbruch"

onlineurteile.de - Nach einer kurzen Auslandsreise vermisste die Wohnungsinhaberin Pelze und Schmuck. Bei ihr sei eingebrochen worden, meldete die Frau der Hausratversicherung. Bei der Rückkehr habe die Wohnungstür offen gestanden. Der Täter könne nur durch das Küchenfenster in die Wohnung eingestiegen sein, das er wohl mit einem Werkzeug gewaltsam geöffnet habe. Anschließend habe er sich "bedient", die Wohnungstür von innen aufgesperrt (mit dem am Schlüsselbrett hängenden Schlüssel) und die Tür zugezogen. Die sei anschließend von selbst wieder aufgegangen.

Diese Version des Tathergangs sei möglich, aber nicht übermäßig wahrscheinlich, entgegneten die Richter des Oberlandesgerichts Karlsruhe (19 U 140/05). Sie mussten sich mit der Klage der Bestohlenen gegen ihre Hausratversicherung befassen, die jede Zahlung verweigert hatte. Auch bei Gericht blieb die Versicherungsnehmerin erfolglos.

Die Einbruchspuren am Küchenfenster seien erst zwei Monate nach der Strafanzeige der Bestohlenen entdeckt worden, so die Richter. Das Alter der Spuren sei nicht näher zu bestimmen. Bewiesen sei damit nichts: Ebensogut könnte der Täter die Wohnung durch die Tür betreten haben. Denn die Tür sei nicht richtig zu verschließen, zumindest dann nicht, wenn man den Schlüssel nur einmal im Schloss herumdrehe. Ein einfacher Druck auf das Türblatt genüge dann, um die Türe zu öffnen, wie ein Gerichtssachverständiger festgestellt habe.

Da die Versicherungsnehmerin bei der polizeilichen Ermittlung eingeräumt habe, die Tür häufig nur zuzuziehen (bzw. den Schlüssel höchstens einmal zu drehen), lege dies den Schluss nahe, dass der Dieb durch die Türe in die Wohnung gekommen sei. Dann handle es sich aber nicht um einen Einbruchdiebstahl im Sinne der Versicherungsbedingungen: Denn Einbrechen bedeute, gewaltsam in einen Raum einzudringen. Wenn sich eine Tür durch leichtes Gegendrücken öffnen lasse, sei dies nicht "gewaltsam".