Wie sicher müssen Straßenbahntüren sein?

Alte Frau kämpft nach Oberschenkelhalsbruch um Schmerzensgeld

onlineurteile.de - Als die alte Frau in die Straßenbahn einsteigen wollte, war es eigentlich schon zu spät: Die Türen schlossen sich. Trotzdem streckte sie die rechte Hand nach vorne, um den Vorgang aufzuhalten. Das hatte fatale Folgen: Ihr Daumen wurde eingeklemmt, die Türen öffneten sich nicht mehr. Die alte Frau verlor das Gleichgewicht und stürzte. Ein Oberschenkelhalsbruch führte zu Bewegungsunfähigkeit, die alte Frau wurde zum Pflegefall.

Schmerzensgeld bekommt sie für den Unfall nicht, entschied das Landgericht Köln (20 O 95/02). Denn den kommunalen Verkehrsbetrieben könne man keinen Vorwurf machen - die Sicherheitsvorkehrungen gegen das Einklemmen seien ausreichend. Der Schließvorgang der Türen dauere vier bis fünf Sekunden und werde unterbrochen, wenn jemand die mittlere Einstiegsstufe belaste oder die Lichtschranke zwischen den Türen erreiche. Zudem befänden sich Sensoren an den Gummilippen der Innenseite: Bei einem bestimmten Gegendruck auf die Türen würden diese wieder geöffnet.

Man könne nicht verlangen, dass sich die Bewegungsrichtung der Türen schon beim geringsten Widerstand ändere (eben z.B. bei der Berührung mit einem Daumen). Dies führte zu zusätzliche Verzögerungen im öffentlichen Nahverkehr; und zwar unnötigerweise, denn jedermann könne sich auf den eher gemächlichen Schließvorgang einstellen. Wer im Alter nicht mehr so reaktionsschnell sei, müsse sich zum vorderen Wagen bemühen und dem Fahrer Hilfsbedürftigkeit signalisieren oder eventuell Mitfahrende um Hilfe bitten. Keinesfalls dürfe er bzw. sie versuchen, den Wagen zu besteigen, wenn das Schließen der Türen bereits in Gang sei.