Winzerin kaufte Kunststoffkorken

Weine verdarben: Streit um Schadenersatz vom Korken-Hersteller

onlineurteile.de - Eine Winzerin ließ sich vom Handelsvertreter eines Herstellers von Kunststoffkorken zu einer Bestellung überreden. Zwischen 2000 und 2002 kaufte sie fast 100.000 Stück. Auf der Website des Vertreters stand, Kunststoffkorken seien eine prima "Alternative zum Naturkork". Sie bedeuteten für Winzerkunden "eine enorme Qualitätssicherung".

Nun, das stimmte so wohl nicht. Ab 2005 häuften sich die Beschwerden von Kunden, dass die mit Kunststoffkorken verschlossenen Weine ungenießbar seien. Die Winzerin verklagte den Korken-Hersteller auf Schadenersatz für verdorbenen Wein: Die Verschlüsse schützten nicht vor Oxidation, deshalb seien die Weine innerhalb von zwei bis drei Jahren "umgekippt". Dabei habe ihr der Vertreter im Verkaufsgespräch zugesichert, mindestens fünf bis sechs Jahre könne man die Weine mit diesem Verschluss lagern.

Als verbindliche Zusicherung stufte der Bundesgerichtshof (BGH) die Reklamesprüche des Handelsvertreters nicht ein (VIII ZR 253/08). "Anpreisende Beschreibungen" eines Produkts drückten nicht den Willen aus, für diese Eigenschaft zu garantieren und dafür zu haften. Ein Anspruch der Winzerin auf Schadenersatz könnte trotzdem bestehen, wenn die Kunststoffkorken für den laut Vertrag beabsichtigten Gebrauch untauglich seien.

Der BGH verwies den Rechtsstreit an die Vorinstanz zurück und gab die Richtung vor: Wesentlich für die Entscheidung sei der Inhalt der Vertragsverhandlungen. Hersteller und Vertreter behaupteten, es sei bei den Gesprächen nur um den Verschluss so genannter "schnell drehender Weine" gegangen, die üblicherweise innerhalb von ein bis zwei Jahren getrunken werden. Treffe dies zu, konnte die Winzerin keine längere Haltbarkeit der Weine erwarten.

Doch die Winzerin stütze ihren Anspruch auf die Aussage des Vertreters, einige Winzer verschlössen sogar langlebige Weine wie Beerenauslesen mit Kunststoffkorken. Diesen Hinweis könne man, je nach Gesprächskontext, durchaus so verstehen, als taugten die Kunststoffkorken dafür, Weine mehrere Jahre fachgerecht und qualitätssichernd zu verschließen. Ob dieses Verständnis Bestandteil der vertraglichen Vereinbarungen geworden sei, müsse die Vorinstanz klären.