Witwe des ermordeten Bankiers Ponto ...

... klagt gegen den Film "Der Baader Meinhof Komplex"

onlineurteile.de - Die Witwe des 1977 von der Roten Armee Fraktion ermordeten Bankiers Jürgen Ponto beantragte bei Gericht eine einstweilige Verfügung gegen die Constantin Film Produktion GmbH, die Münchner Produzentin des Films "Der Baader Meinhof Komplex": Die Szene in dem Film, welche die Ermordung ihres Mannes darstelle, dürfe nicht mehr gezeigt werden.

Begründung: Der Film beanspruche "größtmögliche historische Authentizität", doch die Darstellung entspreche in mehreren Punkten nicht der Wahrheit. Dass sie den Mord mit angesehen habe, komme nicht vor. Zudem sei der Mord (anders als im Film) annähernd lautlos und in einem dunklen Zimmer geschehen. Sie könne als Tatopfer verlangen, dass man sie nach 30 Jahren mit der Tat "allein lasse", anstatt sie mit einer effekthascherischen Darstellung des Mordes zu konfrontieren.

Künstlerische Freiheit bedeute, dass der Regisseur entscheide, mit welchen Szenen und wie die Geschichte erzählt werden solle, entgegnete das Landgericht Köln (28 O 765/08). Die Szene verletze weder das Persönlichkeitsrecht des Ermordeten, noch das seiner Witwe. Niemand werde herabgewürdigt oder abgewertet, das Lebensbild Pontos nicht verfälscht. Wenn manches vom wirklichen Geschehen abweiche, müsse Frau Ponto dies hinnehmen.

Der Film erzähle ein herausragendes Ereignis der Zeitgeschichte, Schrecken und Leid der Opfer seien nicht das Thema des Films. Das Private trete hinter die Filmfiguren zurück. Für den Zuschauer sei auch deutlich erkennbar, dass der Film keine genaue Abbildung der Realität anstrebe. Er zeige vielmehr das Geschehen aus einer bestimmten Perspektive, um die damaligen Konflikte um die RAF in ihrer politischen Tragweite wiederzugeben.