Wohin mit kleinen Kindern am frühen Morgen?

Mutter in Berufsausbildung mit Frühschicht steht Kinderbetreuung durch Tagesmutter zu

onlineurteile.de - Die Frau hatte schon zwei Kinder aus erster Ehe, mit ihrem zweiten Ehemann bekam sie zwei weitere Kinder. Da der Mann mit seinem Lohn die große Familie finanziell gerade so über die Runden brachte, begann die Frau eine (vom Arbeitsamt geförderte) zweijährige Berufsausbildung zur Köchin. Aber wohin mit den Kindern? Der Vater musste täglich um 5.30 Uhr aus dem Haus, die Mutter hatte ab 6.30 Frühdienst. Deshalb beantragte die Familie beim Jugendamt einen Zuschuss, um während der Arbeitszeit Betreuung für die Kinder finanzieren zu können. Die Familie hatte auch schon eine geeignete Tagesmutter, eine gelernte Erzieherin, gefunden. Von der Behörde kam jedoch ein abschlägiger Bescheid.

Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg zeigte dagegen Verständnis für die arbeitswillige Mutter (4 ME 335/02). Sie habe einleuchtend dargelegt, dass ihre große Familie in sehr beengten finanziellen Verhältnissen leben müsste - vor allem wegen der Hauslasten für das Eigenheim -, wenn sie auf Dauer nur auf das Einkommen des Ehemannes verwiesen wäre. Der Wunsch der Frau, durch eigene Berufstätigkeit die wirtschaftliche Grundlage der Familie zu sichern, müsse respektiert werden.

Nicht nur für Alleinerziehende in Berufsausbildung sei Kinderbetreuung notwendig und förderungswürdig. Auch das Bestreben einer kinderreichen Familie, sich einen Lebensstandard über dem Sozialhilfeniveau zu schaffen, verdiene Unterstützung. Und Kindergärten stünden nun einmal während des frühen Schichtdienstes der Frau nicht zur Verfügung. Künftig wird sich die Erzieherin an fünf Tagen in der Woche um die Kinder kümmern.