Wohnung muffelte

Dass der Mieter "Müll sammelt", rechtfertigt nicht unbedingt eine Kündigung

onlineurteile.de - Als der Vermieter gestorben war, besichtigte dessen Nachfolgerin alle Mietwohnungen. In einer Wohnung fand sie "verheerende Zustände" vor, die mit der Kamera festgehalten wurden. Sofort nach dem Besichtigungstermin bekam der Mieter eine Abmahnung, weil er massenhaft Müll angesammelt hatte. Da das Schreiben nichts fruchtete, kündigte die Vermieterin den Mietvertrag. Begründung: In der Wohnung herrsche ein "ekliger Gestank wie Verwesung", alle Räume seien mit Müll, Flaschen, Flüssigkeiten angefüllt, die Luft muffig. Der Mieter setzte sich jedoch gegen die Räumungsklage der Vermieterin durch.

Das Amtsgericht München erklärte, das Treiben des Mieters gefährde die Mietsache nicht (453 C 29 264/02). Und nur dann wäre es gerechtfertigt, wegen Verwahrlosung den Mietvertrag zu kündigen. Auf den Fotos der Vermieterin sei zwar zu sehen, dass der Mieter eine "Unzahl von Gegenständen" auf dem Fußboden stapele. Dabei handle es sich allerdings nicht um biologischen Müll, der Ungeziefer anlocken könnte, sondern im Wesentlichen um Flaschen, Kartons, Zeitschriften und Kleidungsstücke.

Dieser Unrat führe möglicherweise zu "Mief" in der Wohnung, räumte der Amtsrichter ein. Das sei aber kein Grund, den Mieter vor die Türe zu setzen, solange der Geruch nicht ins Treppenhaus dringe und andere Mieter belästige. Bisher habe sich niemand im Haus über den Mann beschwert.