Wohnungseigentümergemeinschaft muss Energie bezahlen ...

... auch wenn der Hausverwalter dafür bestimmte Beträge veruntreut hat

onlineurteile.de - Bei den Stadtwerken München liefen für eine Wohnanlage immer mehr Forderungen auf. Nur sehr sporadisch zahlte die Wohnungseigentümergemeinschaft 2001 bis Ende 2004 für Strom, Gas und Wasser. Schließlich klagte die Lieferantin die ausstehenden Beträge ein und erfuhr vor Gericht den Grund für die Versäumnisse.

Der Hausverwalter hätte die Rechnungen vom Wohngeld begleichen sollen, verteidigte sich die Eigentümergemeinschaft. Der habe jedoch eine beachtliche Summe vom Wohngeld für sich "abgezweigt" und nicht an die Stadtwerke weitergeleitet. Vermutlich habe das Energieunternehmen sogar darüber Bescheid gewusst. Sonst hätte es doch längst wegen des Zahlungsrückstands "den Hahn zugedreht".

Die Eigentümergemeinschaft zeigte den Verwalter wegen Veruntreuung an. Den Prozess gegen die Stadtwerke München verlor sie allerdings: Das Landgericht München I verurteilte sie zum Ausgleich des Zahlungsrückstands (26 O 13359/06). Dass die Stadtwerke keine Versorgungssperre verhängten, beweise noch lange keine Kooperation von Energielieferant und Hausverwalter zu Lasten der Eigentümergemeinschaft, fand der Richter.

Einen vertrauenswürdigen Hausverwalter zu engagieren, sei deren Problem. Natürlich könne man da auch mal an den Falschen geraten. Aber dieses Risiko könne die Eigentümergemeinschaft nicht ihren Vertragspartnern aufbürden. Die Folgen von dessen Untreue müsse sie selbst tragen und niemand sonst. Man könne den Stadtwerken auch nicht vorwerfen, den Eigentümern die Zahlungsrückstände "verschwiegen" zu haben. Der Hausverwalter habe viele Wohnanlagen betreut (und betrogen): Alle betroffenen Eigentümer einzeln auf unbezahlte Rechnungen aufmerksam zu machen, sei für die Stadtwerke bei einem Massengeschäft dieser Größenordnung unzumutbar.