"Wollen Sie nicht für uns arbeiten?"

Zeitarbeitsfirmen streiten um Abwerbungspraktiken

onlineurteile.de - Ob sie zufrieden seien und regelmäßig ihren Lohn erhielten, fragte man telefonisch bei einigen Mitarbeiterinnen einer Zeitarbeitsfirma nach. (Der Anrufer stand in Diensten einer anderen Zeitarbeitsfirma und rief bei den Damen zu Hause an.) Dann kam der fürsorgliche Anrufer zur Sache: Die Konkurrenz sei an ihrer Mitarbeit interessiert, teilte er mit und schlug den Angerufenen vor, sich mit der Konkurrenz in Verbindung zu setzen.

Die Arbeitgeberin der Damen hielt diese Art der Kontaktaufnahme für wettbewerbswidrig. Sie versprach ihren Mitarbeitern Prämien für das Melden von Abwerbeversuchen und verklagte die Konkurrenz auf Unterlassung. Das Oberlandesgericht Jena wies die Klage ab (2 U 282/02). Begründung: Im Prinzip sei es ein erlaubtes Mittel im Leistungswettbewerb, bei Konkurrenten Beschäftigte abzuwerben. Allerdings müsse der Abwerber dabei fair vorgehen, dürfe die Mitarbeiter nicht zum Vertragsbruch verleiten oder die Interessen des Konkurrenten durch planmäßiges Ausspannen von Mitarbeitern unverhältnismäßig beeinträchtigen.

Im konkreten Fall habe sich der Abwerber korrekt verhalten, sein Anliegen sachlich vorgetragen und niemanden aufdringlich belästigt. Unaufgeforderte Anrufe im Privatbereich seien zwar eigentlich unzulässig, hier handle es sich jedoch um einen Ausnahmefall: Denn der (Ab-)Werber biete nicht Waren oder Dienstleistungen an, belästige also die Arbeitnehmer nicht in ihrer Wohnung mit unerwünschter Werbung. Er frage nach, ob sie sich eventuell beruflich verändern möchten, und stelle Arbeitsplätze in Aussicht. Das sei ja (möglicherweise) durchaus im Interesse der Angerufenen.