Womo mit Motorschaden verkauft

Käuferin kann statt Motortausch Ersatzfahrzeug verlangen

onlineurteile.de - Ungefähr 700 Kilometer hatte die Käuferin eines neuen Wohnmobils zurückgelegt, als ihr auffiel, dass das Fahrzeug Öl verlor. Erst bei der zweiten Überprüfung in der Werkstatt des Autohändlers, der ihr das Womo verkauft hatte, wurde die Wurzel des Übels gefunden: ein "Lunker" im Motorblock (= ein Gussfehler bei der Herstellung, der zu Ölverlust führt). Der Autohändler bot der Käuferin einen Teilaustausch des Motors an (Rumpfmotor mit Kopf). Doch die Käuferin verlangte ein neues Wohnmobil.

Da der Verkäufer diese Forderung für überzogen hielt, reagierte er darauf erst gar nicht. Nach einem Monat - diese Frist hatte ihm die Käuferin gesetzt - hatte es sich die Frau anders überlegt: Nun verlangte sie Schadenersatz und erklärte den Rücktritt vom Kaufvertrag. Mit ihrer Klage hatte sie beim Oberlandesgericht Celle Erfolg (7 U 235/05).

Die erste Forderung der Frau sei nicht "unverhältnismäßig" gewesen, so die Richter: Sei das Fahrzeug beim Kauf mangelhaft, müsse der Verkäufer Ersatz liefern, wenn die Käuferin dies wünsche. Ständig Öl nachzuschütten, sei für die Fahrerin unzumutbar und führe überdies zu einer Wertminderung, welche die Käuferin nicht hinnehmen müsse. Bei einem derartigen Mangel müsse sie sich nicht mit einem Teilaustausch des Motors abfinden.

Da der Händler kein Ersatzfahrzeug geliefert habe, dürfe die Käuferin das Geschäft rückgängig machen. Der Händler müsse das defekte Womo zurücknehmen und den Kaufpreis (abzüglich Nutzungsentgelt für die gefahrenen Kilometer) herausrücken. Darüber hinaus müsse er der Käuferin 6.586 Euro zahlen, weil ein vergleichbares Modell des Wohnmobils mittlerweile mehr koste als im April 2004.