Wunderheiler benötigt keine Ausbildung als Heilpraktiker

Geldstrafe verstößt gegen das Grundrecht auf freie Berufswahl

onlineurteile.de - Es war ein steiniger Weg durch alle Instanzen. Schon lange hatte die Staatsanwaltschaft einen hessischen Wunderheiler auf dem Kicker, der Kranken die "Hand auflegte". Ohne Qualifikation nach dem Heilpraktikergesetz dürfe er nicht arbeiten, so die Staatsanwälte. Wenn der Handaufleger so tue, als könne er einem Kranken helfen, sei er ein Scharlatan. Der Wunderheiler verteidigte sich: Jedem Kranken habe er gesagt, er könne keinen Erfolg versprechen, die ärztliche Behandlung müsse fortgesetzt werden.

Das Amtsgericht entschied, der Wunderheiler benötige keine Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz. Das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt widersprach: Kranke glaubten nur zu gerne an Wunder und gingen dann zu spät oder gar nicht zum Arzt. Handauflegen zähle zur Heilkunde, weil der Wunderheiler den Eindruck erwecke zu helfen. Also dürfe er nicht ohne Zulassung arbeiten. Das OLG verurteilte den Wunderheiler zu einer Geldstrafe von 25.000 Mark.

Dieses Urteil verstößt gegen das Grundrecht auf freie Berufswahl, befand das Bundesverfassungsgericht (2 BvR 1802/02). Der Wunderheiler lege nur die Hand auf. Das erfordere als religiös-rituelle Handlung keine medizinischen Kenntnisse. Im Gegenteil, mit Fachwissen könne der Mann gar nichts anfangen. Es wäre also unangemessen, von ihm eine Ausbildung als Heilpraktiker zu verlangen. Man könne zwar nicht ausschließen, dass Kranke sich zu sehr auf diesen Hokuspokus verließen. Diese Gefahr würde aber nicht geringer (eher größer ...), wenn Wunderheiler auch noch medizinisches Fachwissen vorgäben. Kranke suchten hier einen "dritten Weg", das zu verhindern sei nicht Aufgabe des Heilpraktikergesetzes. Allerdings müsse die Gewerbeaufsicht sicherstellen, dass der Wunderheiler die Hilfesuchenden ernsthaft auffordere, eine ärztliche Praxis aufzusuchen.