Zehnjähriger Junge startet Radlader mit Taschenmesser

Für gleichaltrige Beifahrer gilt: mitgegangen, mitgehangen!

onlineurteile.de - Es war schon ein starkes Stück, das sich die drei Jungs leisteten: In einer durch Schranken abgesperrten Kiesgrube stand ein Radlader herum, der ihnen ins Auge stach. Einer schloss das Gefährt mit einem Taschenmesser kurz, dann fuhren die drei Zehnjährigen in der Kiesgrube umher. Beim Zurücksetzen geriet der Radlader in eine Schlammgrube, kippte um und wurde schwer beschädigt. Der Spaß brachte den Früchtchen eine Schadenersatzklage des Bauunternehmers über die stolze Summe von 53.904 DM ein.

In erster Instanz schien es so, als kämen die kleinen Übeltäter mit einem blauen Auge davon: Die Klage wurde mit der Begründung abgewiesen, es sei unklar, wer von ihnen den Radlader zuletzt gefahren habe. Das Oberlandesgericht Koblenz erklärte jedoch, dieser Punkt sei bedeutungslos (10 U 998/02). Alle Kinder seien für den Schaden verantwortlich, gemeinsam hätten sie eine "unerlaubte Handlung" begangen. Also hafteten sie gemeinsam für den Schaden (in welcher Höhe, blieb zunächst offen).

Trotz des zarten Alters der drei Knaben nahmen die Richter schuldhaftes Handeln an. Sie hätten "widerrechtlich" fremden Grund betreten - durch mehrere Schranken klar erkennbar gegen unbefugten Zutritt gesichert - und zusammen den Beschluss gefasst, den Radlader in Gang zu setzen. Auch bei 10-Jährigen könne das Wissen unterstellt werden, dass es verboten und gefährlich sei, ohne jede Fahrausbildung mit einem fremden Radlader zu fahren.