Zeitarbeitsfirma verliert Auftrag

Kein Grund, einem Leiharbeiter zu kündigen

onlineurteile.de - Eigentlich hatte er sich nie wie ein Leiharbeiter gefühlt. Seit sechs Jahren war der Organisationsprogrammierer bei der Zeitarbeitsfirma unter Vertrag. Schon nach kurzer Zeit wurde er langfristig an ein Unternehmen verliehen, wo er für die so genannte "Clipper-Programmierung" zuständig war. Als der Vertrag des Unternehmens mit der Zeitarbeitsfirma nach fünf Jahren auslief, erhielt auch der Programmierer die Kündigung: Man könne ihn nach dem Wegfall des Auftrags nicht länger vermitteln, so der Arbeitgeber, da die Programmiersprache "Clipper" veraltet und er für andere Jobs nicht qualifiziert sei.

So leicht kann es sich die Firma nicht machen, fand der Informatiker. Er beherrschte nämlich durchaus auch andere Programmiersprachen. Die Verleih-Firma würde schon etwas Passendes für ihn finden, wenn sie sich bemühen würde. Der Arbeitnehmer klagte erfolgreich gegen die Kündigung.

Der Wegfall eines einzelnen Auftrags gehöre zum Unternehmensrisiko und rechtfertige keine betriebsbedingte Kündigung, entschied das Bundesarbeitsgericht (2 AZR 412/05). Kurzfristige Auftragslücken müsse die Zeitarbeitsfirma anders überbrücken. Eine Kündigung wäre nur zulässig, wenn der Arbeitgeber nachweisen könnte, dass der Beschäftigungsbedarf dauerhaft zurückging. Dies sei hier aber nicht der Fall, die Kündigung damit unwirksam.