Zu oft krank - gekündigt

Auch viele kurze Fehlzeiten können das Maß voll machen

onlineurteile.de - Schon zehn Jahre lang arbeitete eine jüngere Frau in einem Unternehmen für medizinischen Bedarf - zuerst als Raumpflegerin, später als Produktionskontrolleurin. In dieser Zeit stellte sie die Geduld des Arbeitgebers Geduld auf eine harte Probe. Jedes Jahr fehlte sie häufig wegen Krankheit, in einem Jahr insgesamt dreizehn Wochen. Mal waren es Kreislaufbeschwerden, Kopfschmerzen oder Schwindelanfälle, mal Infekte oder eine Nierenkolik, zuletzt psychovegetative Erschöpfung und Pollenallergie. Zweimal nahm die Frau für zwei Jahre Elternurlaub.

Die Lohnfortzahlung für Zeiten der Arbeitsunfähigkeit summierte sich für den Arbeitgeber von 1999 bis 2004 auf ca. 21.500 Euro. Deshalb beschloss er im Herbst 2004, der Angestellten zum Jahresende zu kündigen. Die Kündigungsschutzklage der Arbeitnehmerin blieb beim Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein ohne Erfolg (3 Sa 320/05).

Das Gericht hielt die Kündigung für sozial gerechtfertigt: Die vielen Fehlzeiten sprächen für eine ungünstige Gesundheitsprognose. Auch wenn fast jede Krankheit ausgeheilt sei, sei die Arbeitnehmerin doch überdurchschnittlich anfällig. Schon zwei Monate nach einer Elternzeit sei die Frau erneut für einen Monat wegen Erschöpfung zu Hause geblieben. Offenkundig reagiere sie körperlich negativ auf familiäre und berufliche Belastung.

Der Angestellten gelang es nicht, plausibel zu erklären, weshalb sie zukünftig (trotz gleich bleibend hoher Belastung) nicht mehr so oft ausfallen würde. Sie behaupte einfach nur ins Blaue hinein, künftig werde alles besser, beanstandeten die Richter. In elf Jahren Arbeitsverhältnis (abzüglich etwa vier Jahre Elternzeit) habe die Arbeitnehmerin nur eineinhalb Jahre ohne längere Ausfallzeiten durchgehalten. Angesichts der hohen Kosten für den Arbeitgeber sei es für ihn nicht länger zumutbar, die Frau zu beschäftigen. Die Kündigung habe Bestand.