Zündschlüssel eines Rettungswagens versteckt

Obdachloser zu zwei Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt

onlineurteile.de - Der alkoholkranke W hatte an diesem Vormittag an der Beerdigung eines verstorbenen Bekannten aus der Obdachlosenszene teilgenommen und an dessen Grab Gitarre gespielt. Danach wurde auf dem Weihnachtsmarkt mit viel Alkohol Abschied gefeiert. Plötzlich fuhren ein Notarztwagen und ein Rettungswagen des Deutschen Roten Kreuzes vor. Eilig sprangen die Sanitäter heraus: In einem Gebäude nebenan war eine Frau zusammengebrochen.

W ging mit und mischte sich in die Aktionen der Notärztin und der Sanitäter ein, die ihn mehrmals wegschickten. Verärgert verließ er das Gebäude. Draußen bemerkte W, dass der DRK-Rettungswagen unverschlossen war und der Zündschlüssel im Schloss steckte. Der Betrunkene zog den Schlüssel ab und warf ihn unter einen Tannenbaum. Als die Sanitäter die Patientin in das Rettungsfahrzeug brachten, war W schon in einen Tabakladen verschwunden.

Die Sanitäter suchten nach dem Schlüssel, bis ihnen eine Passantin, die W beobachtet hatte, den Tipp gab, im Tabakgeschäft den Mann mit der Gitarre zu fragen. Der Fahrer der Notärztin sprach W an und durchsuchte schließlich seine Taschen. Daraufhin folgte ihm W widerwillig und zeigte ihm den Schlüssel. Durch diesen "Streich" verzögerte sich die Abfahrt des Rettungswagens um mindestens 15 Minuten. Das Amtsgericht Emmendingen verurteilte den Obdachlosen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Monaten auf Bewährung, weil er die Nothilfe behindert hatte (5 Cs 350 Js 459-AK 19/08).

Von W sei hinlänglich bekannt, dass er unter Alkoholeinfluss dazu neige, Straftaten zu begehen. Über die Abfuhr durch die Sanitäter habe er sich so aufgeregt, dass er ihnen einen Denkzettel verpassen wollte, so der Amtsrichter. Dabei habe W rücksichtslos in Kauf genommen, dass die Patientin ernsthaft zu Schaden kam. Daher sei eine Freiheitsstrafe unerlässlich. Sie werde zur Bewährung ausgesetzt, weil einige Punkte auch zu Gunsten des Angeklagten sprächen: Sein Geständnis, Reue und die Annahme, dass der Alkohol seine Persönlichkeit bereits zerrüttet habe.