Zündschlüssel stecken lassen

Das ist nicht immer eine grob fahrlässige "Einladung zum Diebstahl"

onlineurteile.de - Ein Autofahrer hielt an einer großen Tankstelle. Nachdem er Benzin eingefüllt hatte, ging er zum Bezahlen an die Kasse, ohne den Zündschlüssel abzuziehen. Er dachte sich nichts dabei, denn seine Mutter begleitete ihn und stand neben dem Fahrzeug. Außerdem war der Wagen zwischen anderen Fahrzeugen eingeparkt. Doch kaum hatte sich der Autofahrer in die Warteschlange an der Kasse eingereiht, wurden blitzschnell die anderen Fahrzeuge weggefahren. Ein Fremder schubste die Mutter vom Auto weg, sprang auf den Fahrersitz und fuhr davon.

Die Teilkaskoversicherung stellte sich auf den Standpunkt, sie müsse den Autofahrer für den Diebstahl nicht entschädigen. Er habe den Zündschlüssel stecken lassen und so das "versicherte Fahrzeug grob fahrlässig dem Zugriff des Diebes preisgegeben". Das Oberlandesgericht Frankfurt war da anderer Ansicht (7 U 203/99). In der Regel sei es zwar unverzeihlicher Leichtsinn, das Fahrzeug offen und mit dem Schlüssel im Zündschloss zu verlassen. Hier sei aber das Auto von der Mutter des Versicherungsnehmers beaufsichtigt worden.

Außerdem sei der Wagen vollständig von anderen Autos eingekeilt gewesen. Also habe der Autofahrer annehmen dürfen, dass niemand damit wegfahren könne. Wer vermute schon, dass gerissene Täter Autos absichtlich an strategisch ausgewählten Punkten abstellten, um dann plötzlich wegzufahren und blitzartig einen Diebstahl ins Werk zu setzen? Dass der Mann nicht mit dem raffinierten Vorgehen einer Diebesbande rechnete, sei ihm nicht als grobe Fahrlässigkeit anzukreiden. Die Versicherung müsse dem Bestohlenen den Wiederbeschaffungswert seines Wagens (15.000 DM) ersetzen.