Zugbegleiter mit Schusswaffe bedroht

Fahrgast muss 5.000 Euro Schmerzensgeld zahlen, um die Todesangst des Bahnmitarbeiters und deren Wirkungen auszugleichen

onlineurteile.de - Im Januar 2013 kontrollierte in einem ICE der Deutschen Bahn AG ein Zugbegleiter einen Fahrgast. Der psychisch kranke Fahrgast zog unvermittelt eine Schusswaffe aus seiner Tasche und fuchtelte damit vor dem Zugbegleiter herum: "Ich will nach Hause", verkündete er lauthals.

Klar, dass der Zugbegleiter in diesem Moment um sein Leben fürchtete. Er erlitt eine posttraumatische Belastungsstörung und musste sich für zweieinhalb Monate in psychotherapeutische Behandlung begeben. Während dieser Zeit war der Mann arbeitsunfähig. Vom Fahrgast forderte der Zugbegleiter 7.500 Euro Schmerzensgeld und Ersatz für Verdienstausfall.

Das Oberlandesgericht Karlsruhe bestätigte die Entscheidung des Landgerichts Konstanz, das dem Bahnbediensteten 5.000 Euro Entschädigung zuerkannt hatte (9 U 13/15). Der Fahrgast habe den Zugbegleiter mit vorgehaltener Schusswaffe bedroht und ihn in Todesangst versetzt. Dass er selbst unter einer Psychose litt, ändere nichts daran, dass er sich einer schwerwiegenden Straftat schuldig gemacht habe.

Die gesundheitlichen Folgen dieser Straftat für den Zugbegleiter müsse der Angreifer mit Schmerzensgeld ausgleichen. Der Bahnbedienstete habe lange nicht mehr unbefangen auf andere Menschen zugehen können, sei längere Zeit von einem Psychotherapeuten behandelt worden. Andererseits habe sich die bedrohliche Situation nicht dauerhaft negativ auf sein Leben ausgewirkt. Es seien keine psychischen Beeinträchtigungen geblieben. Daher seien 5.000 Euro als Ausgleich angemessen.