Zulässige Leistungseinschränkung:

Private Krankenversicherung zahlt nur für Arzt als Psychotherapeuten

onlineurteile.de - Der Mann hatte einen Therapie-Marathon von 80 Stunden hinter sich. Danach kam das böse Erwachen. Seine private Krankenversicherung weigerte sich, dafür zu zahlen, und verwies auf eine Klausel im Vertrag: Medizinisch notwendige Psychotherapie sei versichert, wenn sie von einem "Arzt oder in einem Krankenhaus durchgeführt" werde. Der Mann hatte sich aber von einem Psychologen ohne Medizinstudium therapieren lassen.

Diese Klausel sei ungerecht, wandte der Patient ein, schließlich übernehme auch die gesetzliche Krankenversicherung die Therapie bei einfachen Psychotherapeuten (gemäß dem Gesetz über die Berufe der Psychotherapeuten von 1998). Vor allem sei es schwierig, überhaupt einen Psychologen zu finden, der zugleich Mediziner sei und obendrein Zeit habe.

Der Bundesgerichtshof entschied, dass die private Krankenversicherung ihre Leistung auf ärztliche Psychotherapeuten beschränken darf (IV ZR 192/04). Die einschlägige Klausel sei klar und deutlich. Private Versicherer müssten anders kalkulieren als gesetzliche, um wirtschaftlich zu arbeiten. Der Versicherungsnehmer hätte auch einen teureren Versicherungstarif wählen können, der die psychologische Psychotherapie einschließe. Er habe sich aber anders entschieden. Dass am Heimatort des Versicherungsnehmers unmöglich ein ärztlicher Psychotherapeut zu finden sei, sei schwer nachvollziehbar.

Die Klausel benachteilige die Patienten nicht unangemessen: Psychologen müssten sowieso oft einen Arzt hinzuziehen, was wieder Mehrkosten verursache. Ärztliche Psychologen könnten über mögliche körperliche Ursachen seelischer Leiden fundierter urteilen. Dies helfe auch, unnötige Kosten durch Fehlbehandlungen zu sparen. Maßnahmen aus dem Bereich der somatischen Medizin könnten auch die Therapiedauer verkürzen.