Zum Vorsteuerabzug

Wie genau muss in Rechnungen die Ware bezeichnet sein?

onlineurteile.de - Bei einer Betriebsprüfung bekam ein EDV-Unternehmen Ärger mit dem Finanzamt. Die Finanzbeamten kürzten die Umsatzsteuer aus Rechnungen eines Lieferanten und verweigerten dafür den Vorsteuerabzug. Begründung: Die Ware sei nicht genau genug bezeichnet, es fehlten bei elektronischen Bauteilen und Software die Seriennummern ("MS Office XP, 100 Stück", "Intel CPU P III 933 MHz Tray, 300 Stück" stand da z.B.). Da die Geschäfte bar und ohne Lieferschein abgewickelt wurden, sei gegenüber dem EDV-Unternehmen Misstrauen angebracht.

Doch das Hessische Finanzgericht Hamburg fand dieses Vorgehen kleinlich und entschied, die einschlägigen Steuerbescheide vorerst nicht durchzusetzen (6 V 3026/05). Ob der Vorsteuerabzug aus diesem Grund verweigert werden könne - d.h. weil in Rechnungen Gerätenummern oder Lizenznummern fehlten, die jedes einzelne Bauteil genau kennzeichneten -, sei sehr umstritten. Darüber müsse demnächst der Bundesfinanzhof entscheiden.

Jedenfalls formulierten die hessischen Richter schon mal "ernsthafte Zweifel": In Rechnungen müsse die Umsatzsteuer eigens ausgewiesen sein, sie müssten auch Mengen und handelsübliche Bezeichnungen der Waren enthalten. Mehr sei nicht "handelsüblich". Man dürfe die Anforderungen nicht so überspannen, dass der Vorsteuerabzug zu kompliziert werde. Die Steuerverwaltung solle die Vorgänge überprüfen können - ob dafür die Angabe von Gerätenummern notwendig sei, sei zweifelhaft. Ob das Geschäft in bar getätigt oder die Rechnungssumme überwiesen wurde, spiele keine Rolle.