Zur Abrechnung fiktiver Reparaturkosten

Gilt bei der Schadensregulierung nach einem Unfall der Stundensatz von Marken-Fachwerkstätten oder ein Durchschnittswert?

onlineurteile.de - Eine Porsche-Fahrerin wurde ohne ihr Zutun in einen Verkehrsunfall verwickelt, ihr Cabrio schwer beschädigt. Nach dem Unfall brachte sie das Auto in die Fachwerkstatt "Porsche-Zentrum", um den Schaden schätzen zu lassen. Der Sachverständige der Werkstatt kam auf Reparaturkosten von 30.683 Mark, und legte der Berechnung den Stundensatz des Porsche-Zentrums zu Grunde. Die Autofahrerin ließ das Fahrzeug allerdings nicht reparieren, sondern verkaufte es.

Mit der Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers rechnete sie ihren Schaden auf Basis der vom Sachverständigen errechneten (fiktiven) Reparaturkosten ab. Der Versicherer zahlte aber nicht 30.683 DM, sondern nur 25.425 DM, weil er bei der Schadensberechnung niedrigere Lohnkosten veranschlagte. Er kalkulierte mit dem abstrakten Mittelwert der Stundenverrechnungssätze, den die DEKRA ermittelt hatte (Durchschnitt aller repräsentativen Marken- und freien Fachwerkstätten der Region). Die Autofahrerin bestand jedoch auf der vollen Summe - mit Erfolg.

Wenn der Geschädigte fiktive Reparaturkosten abrechne, müsse er dabei nicht vom Durchschnitt der Stundenverrechnungssätze ausgehen, entschied der Bundesgerichtshof (VI ZR 398/02). Das bürde ihm zu viel Mühe auf: Um eine günstige Werkstatt zu finden, müsste er Preise vergleichen und die Kompetenz von Werkstätten in Bezug auf die Fahrzeugmarke beurteilen, was er in der Regel gar nicht könne. Wenn der Geschädigte nach einem Unfall die Reparaturkosten mit dem Gutachten eines Sachverständigen belege, sei dies ausreichend. Daher dürfe die Autofahrerin nach dem Stundensatz des Porsche-Zentrums abrechnen, auch wenn er über dem von der DEKRA ermittelten Durchschnittswert liege.