Zwei Häuser und eine Giebelwand

Nachbar muss Dämm-Maßnahme des anderen Wand-Inhabers dulden

onlineurteile.de - Die zwei Häuser waren über eine gemeinsame Giebelwand miteinander verbunden, die auf der Grenze zwischen den beiden Grundstücken stand. Das Haus von Eigentümer A war etwas höher und länger als das des Nachbarn B, daher lag ein Teil der Giebelwand frei. In dem freien Fassadenbereich wollte A eine 14 Zentimeter starke Dämmschicht anbringen lassen, um den Wärmeschutz zu verbessern und Feuchtigkeitsschäden zu verhindern.

Die Verkleidung werde die Fassade verschandeln, fürchtete B und legte Einspruch ein. Nachbar A zog vor Gericht. Der Bundesgerichtshof (BGH) verurteilte B dazu, die Dämm-Maßnahme und das für die Arbeiten nötige Gerüst auf seinem Grundstück zu dulden (V ZR 158/07). Die Fassadenverkleidung entspreche dem wohlverstandenen Interesse beider "Teilhaber" an der Giebelwand, so der BGH.

Die Außenwände bestünden nur aus Ziegelstein-Mauerwerk. Anders als beim Bau der Häuser vor ca. 100 Jahren sei es heute nicht mehr üblich - zudem unvereinbar mit der Notwendigkeit des Energiesparens -, Wohnhäuser mit ungedämmten Außenwänden zu errichten. A wolle den freien Bereich der Mauer so nachrüsten, dass die Giebelwand in Funktion und Aussehen dem heutigen Standard entspreche. Dagegen sei nichts einzuwenden.

Dass B "eventuell mal anbauen" wolle, ändere daran nichts. Zum einen seien diese Pläne nicht aktuell. Zum anderen müsse A dem Nachbarn im Fall des Falles den Anbau ermöglichen, indem er die Fassadenverkleidung dann (soweit notwendig) auf seine Kosten wieder beseitige.